{"id":351,"date":"2000-03-20T17:42:28","date_gmt":"2000-03-20T15:42:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/?p=351"},"modified":"2013-06-21T15:13:49","modified_gmt":"2013-06-21T13:13:49","slug":"virtuelle-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/?p=351","title":{"rendered":"Virtuelle Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Cogito \u2013 04\/2000<\/p>\n<p>Virtuelle Wirtschaft<\/p>\n<p>Na, auch nichts abbekommen? Wie, Sie wissen nicht, wovon ich spreche? Sie haben nicht das \u00bbHandelsblatt\u00ab abonniert? Sehen Sie nicht jede Woche das B\u00f6rsenmagazin auf Arte? L\u00e4uft auf Ihrem Computer nicht der Bildschirmschoner mit den aktuellsten B\u00f6rsendaten? Ja, wo waren Sie denn in den vergangenen Monaten?<\/p>\n<p>Also haben Sie auch keine. Seien Sie nicht traurig, die meisten haben keine, nur ungef\u00e4hr jeder F\u00fcnfte soll ja etwas abbekommen haben von diesen M\u00e4rchenaktien, die irgendwie unendlichen Reichtum aus dem Nichts versprechen. Nat\u00fcrlich nur dann, wenn man genau wei\u00df, wann man wieder verkaufen muss. Am besten w\u00e4re es wahrscheinlich gleich nach der Emission gewesen, aber wenn das alle gemacht h\u00e4tten&#8230;<\/p>\n<p>Ist schon Wahnsinn, wie schnell man zu Geld kommen kann, wenn man sich nur richtig auskennen w\u00fcrde. In Amerika, so stand es vor einiger Zeit in einem der beiden f\u00fchrenden Nachrichtenmagazine Deutschlands, in Amerika jedenfalls gibt es eine Kleinstadt, die voll ist mit Aktienmillion\u00e4ren. Vor achtzig Jahren haben die alle, oder ihre Vorfahren, ein paar Anteile eines kleinen Unternehmens gekauft, weil die so billig waren und der d\u00f6rfliche Finanzberater etwas Geld f\u00fcr einen Bekannten brauchte. Es war kein gro\u00dfes Risiko f\u00fcr sie. Die Firma hatte irgendwas mit Erfrischungsgetr\u00e4nken zu tun.<\/p>\n<p>Damit kann man heutzutage keinen B\u00f6rsenfuchs mehr aus dem Wald locken. Den muss man schon mit Computern oder Kommunikation locken. Nat\u00fcrlich gen\u00fcgt es nicht, einfach irgendwem seinen Dispokredit in den Rachen zu werfen. Es muss schon der sein, der am weitesten den Mund aufrei\u00dft. Dass das vorher ein eher gl\u00fcckloses \u00bbSiemens-Halbleiterwerk\u00ab war, das sich j\u00fcngst mittels angliziertem Latein auf den Markt warf, wird erst wieder jemanden interessieren, wenn es um die wirklich entscheidenden Dinge in der Wirtschaft geht, n\u00e4mlich um Angebot und Nachfrage von Produkten. Wer kauft schon deutsche Chips? Vielleicht sollte man doch in Chio-Chips investieren. Das w\u00e4ren dann auch wieder so etwas \u00c4hnliches wie Nahrungsmittel.<\/p>\n<p>Glaubt wirklich jemand, dass man mit dem Internet real reich werden kann? Sofern es so etwas wie \u00bbrealen\u00ab Reichtum, der sich aus Geld speist, \u00fcberhaupt gibt. Firmen wie Netscape oder Yahoo leben doch auch nur auf Pump, weil irgendwer glaubt, dass sich das in werwei\u00dfwievielen Jahren mal \u00bbrechnen\u00ab wird. Aber wie kann eine Internet-Suchmaschine anders Gewinne einfahren als durch Werbung?<\/p>\n<p>Die Wirtschaft ist auf dem Weg zum Reklame-Inzest: \u00bbYahoo\u00ab macht Werbung f\u00fcr T-Online. Robert T. Online, f\u00fcr dessen Namen man die Telekom auf Schmerzensgeld verklagen m\u00fcsste, macht seinerseits Werbung f\u00fcr GMX. Nat\u00fcrlich braucht GMX auch etwas Geld und macht also Werbung&#8230; da capo ad infinitum. Gibt es da noch irgendwen, der einfach irgend etwas herstellt, das die Leute auch brauchen?<\/p>\n<p>Erst, wenn die letzte Suchmaschine nur noch M\u00fcll gefunden hat, der letzte E-Mail-Server abgest\u00fcrzt, das letzte Telefonkabel vor \u00dcberlastung verschmort ist und das letzte Moorhuhn abgeschlachtet wurde, werden wir merken, dass auch Aktien nur Bits und Bytes sind.<\/p>\n<p>Auch ohne Geld reich: Leovinus.<\/p>\n<p>(geschrieben am 20.3.2000 &#8211; ein knappes Jahr, bevor die Internet-Blase platzte)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Cogito \u2013 04\/2000 Virtuelle Wirtschaft Na, auch nichts abbekommen? Wie, Sie wissen nicht, wovon ich spreche? Sie haben nicht das \u00bbHandelsblatt\u00ab abonniert? Sehen Sie nicht jede Woche das B\u00f6rsenmagazin auf Arte? 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