{"id":338,"date":"2001-04-15T19:37:09","date_gmt":"2001-04-15T17:37:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/?p=338"},"modified":"2013-07-26T22:07:44","modified_gmt":"2013-07-26T20:07:44","slug":"warum-ich-tot-bin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/?p=338","title":{"rendered":"Warum ich tot bin"},"content":{"rendered":"<p><!--more--><a href=\"http:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/beinkatze.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-522\" style=\"border: 0px;\" alt=\"beinkatze\" src=\"http:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/beinkatze-300x212.jpg\" width=\"270\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/beinkatze-300x212.jpg 300w, https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/beinkatze-70x50.jpg 70w, https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/beinkatze-423x300.jpg 423w, https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/beinkatze.jpg 564w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a>Die Chinesen sind das normalste Volk der Welt \u2013 eine Kolumne voll verr\u00fcckter Logik.<\/p>\n<p>Boomtown 14\/2001<\/p>\n<p>Vom 16.April 2001<\/p>\n<p>Warum ich tot bin<\/p>\n<p>Eine weise Waise sang in wundersamer Weise leise eine Fr\u00fchjahrsweise.<\/p>\n<p>Soviel dazu, doch nun zum Gegenstand dieser Kolumne: Wann habt Ihr zum letzten Mal etwas Verr\u00fccktes gemacht? Also, so etwas \u00c4hnliches wie alle M\u00f6bel innerhalb von zwei Monaten f\u00fcnf Mal umzur\u00e4umen, weil Euch die Anordnung nicht gefiel. Oder das Schlafzimmer im unteren Dreiviertel blau zu streichen, dann eine dicke Wellenlinie und den Rest bis zur Decke terrakottafarben. Oder auch vier Wochen mit siebzig Buddhisten in der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Russland zu fahren? Aber ist dies alles wahrhaft verr\u00fcckt? Bin ich auch verr\u00fcckt, wenn ich zum Beispiel am Ostersonntag um halb f\u00fcnf Uhr (in Worten: Sonntag morgen 4.30 Uhr!) aufstehe, um das Sechs-Uhr-Osterkonzert nicht zu verpassen? Sicher gibt es eine ganz normale Erkl\u00e4rung daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Vielleicht steckt ja die Angst vor dem \u00c4lterwerden dahinter? Damit lie\u00dfe sich immerhin erkl\u00e4ren, warum Menschen mit zunehmenden Alter immer wunderlicher werden. Um uns selbst unsere Jugend zu beweisen, brauchen wir oben erw\u00e4hnte Aussetzer. Richtige Verr\u00fccktheit vertr\u00e4gt unser alternder K\u00f6rper n\u00e4mlich nicht. Neulich behauptete im Radio jemand, ab f\u00fcnfundzwanzig beg\u00e4nnen wir zu sterben. Eigentlich ein wunderbarer Gedanke: Seit zehn Jahren bin ich auf dem Weg ins Paradies. (Die H\u00f6lle schlie\u00dfe ich jetzt f\u00fcr mich einfach mal aus.) Ziehe ich den Satz eines unbekannten Weisen hinzu und behaupte, dass der Weg das Ziel sei, bin ich quasi schon im Himmel! Zehn Jahre tot und keiner hat\u2019s gemerkt. So ungef\u00e4hr muss sich George Turklebaum gef\u00fchlt haben, als er f\u00fcnf Tage nach seinem Ableben in einem New Yorker Verlagshaus durch eine Putzfrau vom B\u00fcrostuhl gestupst wurde. Das erinnert mich, um wieder den Bogen vom Ende zu einem Anfang zu bekommen, an mein erstes Mal.<\/p>\n<p>Ich finde es tats\u00e4chlich gro\u00dfartig, dass sich just an dieser Stelle wieder die volle Aufmerksamkeit des Lesers hier versammelt. Doch geht es jetzt nicht um jenes erste Mal, das meiner Pickel-\u00c4ra ein Ende setzte (dazu vielleicht sp\u00e4ter mehr in dieser Kolumne, man wei\u00df ja nie), sondern um die Premiere im erfolgreichen Konsum nicht ganz legaler, aber auch nicht v\u00f6llig verbotener Drogen. Als die (m\u00f6glicherweise bekannte) Wirkung einsetzte, war ich stundenlang felsenfest davon \u00fcberzeugt, soeben gestorben zu sein. Nebenbei dichtete ich solch gro\u00dfartige Perlen der Weltliteratur wie<\/p>\n<p>\u201eKatzen \/ kratzen \/ an den Beinen. \/ Sind\u2019s die meinen, \/ kratzen sie zur\u00fcck.\u201c<\/p>\n<p>Das Interessante an dieser Geschichte ist, dass sie mir vor etwa zehn Jahren widerfuhr. Dies bringt mich wirklich ins Gr\u00fcbeln.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zum Thema. Die klassische Frage lautet nat\u00fcrlich: Wer bestimmt, was verr\u00fcckt ist? Die Normalen wissen nicht, was das ist. Die Verr\u00fcckten empfinden sich gr\u00f6\u00dftenteils selbst als v\u00f6llig in Ordnung. Meine Theorie lautet ja, dass es gar keine Normalen gibt und jeder verr\u00fcckt ist. Etwa wie in dem Monty-Python-Film, in dem \u201eBrian\u201c vor lauschender Menschenmenge erkl\u00e4rt, dass alle Individuen und einzigartig seien. Eine einzelne Stimme antwortet ihm: \u201eIch nicht.\u201c Angenommen, es gab diesen unbekannten Antworter wirklich: War er nun der einzig Normale (was ein Widerspruch in sich scheint) oder der einsame Verr\u00fcckte?<\/p>\n<p>Wo befindet sich jener schmale Grat, der die Narren von den Weisen scheidet? Gibt es einen pH-Test, der besagt, auf einer Skala von Null bis Zehn ist alles \u00fcber F\u00fcnf nicht normal? In der vergangenen Woche las ich einen hoch interessanten Artikel \u00fcber Frauen, die bedingt durch eine kleine, aber bedeutsame \u00c4nderung auf der Netzhaut, mehr Farben sehen k\u00f6nnen als der Rest der Menschheit. Sind sie dadurch eine andere Art? Kann man alle mit blauen, gr\u00fcnen oder braunen Augen nicht als Mutanten bezeichnen? Wer oder was ist, zum Kuckuck, normal?<\/p>\n<p>\u201eIst es normal, nur weil alle es tun?\u201c fragt eine deutsche Hiphop-Band. W\u00e4re normal, was die Mehrheit tut, dann w\u00e4re es das Trinken aus Bierdosen. Und schwanger zu sein w\u00e4re etwas Unnormales. Die Chinesen w\u00e4ren das einzig normale Volk auf Erden. Nun ja, vielleicht sind sie es ja auch. Es gab schlie\u00dflich \u2013 um nun den Kreis zum ersten Satz zu schlie\u00dfen \u2013 so viele weise Chinesen. Und die k\u00f6nnen ja nicht alle verr\u00fcckt gewesen sein.<\/p>\n<p>Wie dem auch sei: Wenn Ihr jemanden gern habt, nehmt Euer Herz in beide H\u00e4nde und macht was draus.<\/p>\n<p>Eine sch\u00f6ne, verr\u00fcckte Woche w\u00fcnscht Leovinus.<\/p>\n<p>(2001)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":522,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[185,186,183,184],"class_list":["post-338","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-kolumnen","tag-george-turklebaum","tag-monty-python","tag-normal","tag-verruckt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/338","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=338"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/338\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":524,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/338\/revisions\/524"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/522"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=338"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=338"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=338"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}