{"id":334,"date":"2001-01-28T14:57:19","date_gmt":"2001-01-28T12:57:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/?p=334"},"modified":"2013-07-26T21:54:28","modified_gmt":"2013-07-26T19:54:28","slug":"die-wahrheit-uber-bart-simpson-socken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/?p=334","title":{"rendered":"Die Wahrheit \u00fcber Bart-Simpson-Socken"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/weinflasche.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright  wp-image-498\" style=\"border: 0px;\" alt=\"weinflasche\" src=\"http:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/weinflasche-300x186.jpg\" width=\"270\" height=\"167\" srcset=\"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/weinflasche-300x186.jpg 300w, https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/weinflasche-80x50.jpg 80w, https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/weinflasche-483x300.jpg 483w, https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/weinflasche.jpg 812w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a>Boomtown 05\/2001<\/p>\n<p>Vom 29. Januar 2001<\/p>\n<p>Die Wahrheit \u00fcber Bart-Simpson-Socken<\/p>\n<p>Jedes Mal, wenn ich im Restaurant vor der Weinkarte sitze, f\u00fchle ich mich wie ein Geh\u00f6rloser, der sich zwischen dem dritten und dem f\u00fcnften Beethovenschen Streichquartett entscheiden soll. Denn, ich gestehe es, ich habe ebenso viel Geschmack wie Manfred Krug oder Rudolf Moshammer.<\/p>\n<p>Das wird besonders dann peinlich, wenn man f\u00fcr den jeweiligen Begleiter\/die Begleiterin \u201edoch mal eben schnell einen guten mit ausw\u00e4hlen\u201c soll. Ist es eigentlich opportun, in solcher Gelegenheit die Augen zu schlie\u00dfen und mit dem Finger irgend wohin zu tippen? Eine Zeit lang trank ich gern ich franz\u00f6sischen Rotwein &#8211; egal welche Sorte, ich fand die alle gut. Und zwar aus dem einzigen Grund, weil eine Menge ber\u00fchmter Leute behaupteten, sie m\u00f6gen einen \u201etrockenen Franz\u00f6sischen\u201c zum Abendbrot.<\/p>\n<p>In meinem Regal tummeln sich auch einige CDs mit merkw\u00fcrdiger Musik. Irgend jemand hat mir eingeredet, diese w\u00e4re toll. Zugegeben, die Platten gefallen mir wirklich, aber wer erkl\u00e4rt, warum sie besser sind als eine Million anderer St\u00fccke, die \u00e4hnlich klingen? Ich habe Angst vor dem Tag, an dem mir jemand die Phantasien eines betrunkenen Irren als superkreatives Werk unterjubelt, indem er behauptet, es w\u00e4re gemeinsam von Tom Waits und Herbie Hancock komponiert worden.<\/p>\n<p>Gibt es eine Schule f\u00fcr allgemeine Geschmacksbildung? Ich w\u00fcrde das gern lernen. Die Geschmacksnerven der meisten Menschen ergreifen schreiend die Flucht, wenn sie von Joghurt-Sorten namens \u201eCoconut\u201c, \u201eStracchiatella\u201c oder von \u201eBirnenjoghurt mit Schokoraspeln\u201c auch nur h\u00f6ren. Meine nicht. Denn ich bin im Supermarkt der Einzige, der palettenweise Plastikbecher umstapelt, um eines einsamen Exemplars der seltenen Spezies \u201eHaselnuss-Joghurt\u201c habhaft zu werden. Bin ich darob ein schlechter Mensch?<\/p>\n<p>Auch bei Kaffee soll es Unterschiede geben, die sich mir nie erschlie\u00dfen werden. F\u00fcr mich ist der einzig existierende Unterschied der, der zwischen starkem (=\u00a0gutem) und d\u00fcnnem (=\u00a0schlechtem) Kaffee besteht. Herkunft &#8211; eine Plantage, oder? Aroma &#8211; wird schon drin sein, ist ja Kaffee.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich bin ich einfach zu pragmatisch oder ignorant. In j\u00fcngster Zeit ist eine T\u00fcte wirklich billiger Kartoffel-Riffelchips f\u00fcr 99 Pfennig mein abendlicher Begleiter beim Fernsehen. Der Inhalt ist scharf, total versalzen und besteht wahrscheinlich ohnehin zu 60 Prozent aus irgendwelchen chemisch hergestellten Aromastoffen. Eventuell halten andere Menschen, w\u00e4hrend sie dem Arte-Themenabend folgen, ein auserlesenes Kartoffelchip ins Licht und lobpreisen eine Ode an dieses Meisterwerk: \u201eOh, du vollendete Krone der Haute-Cuisine, verzeih mir Unw\u00fcrdigem. Du schmeckst so vortrefflich kartoffelig, dass es eigentlich eine Schande ist, dich zu vertilgen. \u2013 Kracks.\u201c Mir ist der Geschmack v\u00f6llig gleichg\u00fcltig. Hauptsache das Ding erf\u00fcllt seinen Zweck, f\u00fcr den es als Chip auf die Welt gekommen ist: Man hat etwas zum Knabbern in der Hand. Kracks.<\/p>\n<p>Burger King gab in den vergangenen Jahren Dagobertillionen daf\u00fcr aus, den Pommes-frites-Geschmack zu optimieren. Der Versuch war \u00fcbrigens erfolglos, dennoch muss ein Unterschied zu den Kartoffelst\u00e4bchen von McDonalds existieren, denn Marktstudien haben ergeben, dass die der gr\u00f6\u00dften stinkenden \u201eRestaurant\u201c-Kette beliebter sind. F\u00fcr mich wird das ein ewiges R\u00e4tsel bleiben.<\/p>\n<p>Solches Unwissen beschr\u00e4nkt sich nicht nur auf kulinarische und k\u00fcnstlerische Gen\u00fcsse. Eine Hose zum Beispiel muss nur passen. Punkt. Eine Winterjacke muss warm halten. Fertig. Ein Hemd sollte man zukn\u00f6pfen k\u00f6nnen. Aus. Warum soll ich mich wochenlang mit Karottenschnitt, unmodernen Rei\u00dfverschl\u00fcssen oder zu gro\u00dfem Kragen herumqu\u00e4len, wenn es die Sachen am Ende doch nicht in meiner Gr\u00f6\u00dfe gibt? Dazu sind mir meine Nerven zu schade. Und noch ein Geheimnis: Ich empfinde auch wei\u00dfe Str\u00fcmpfe zu schwarzen Hosen und Schuhen nicht als Verbrechen. Ich vermeide sie nur deshalb, weil ich ungern Au\u00dfenseiter bin. Bart-Simpson-Socken hab ich auch schon getragen (denn sie sind doch witzig!) und von den Farben meiner Unterw\u00e4sche rede ich hier lieber gar nicht erst.<\/p>\n<p>Allerdings beschleicht mich langsam ein Verdacht: Wahrscheinlich hat jeder die eine oder andere Geschmacksverirrung, die er oder sie nur ungern offenbaren w\u00fcrde. Irgend jemand muss doch die ganzen U2-Platten kaufen!<\/p>\n<p>Vor kurzem gestand mir Annelie (Name der Freundin ge\u00e4ndert), dass sie ebenfalls dieses Fondand-Konfekt mag, das so herrlich-gr\u00e4sslich s\u00fc\u00df schmeckt. Ein Bekannter er\u00f6ffnete mir neulich freim\u00fctig, er l\u00e4se gern Konsalik-Romane (Name des Autors ge\u00e4ndert). Das tr\u00f6stete mich: Mein Geschmack ist also nicht besonders schlecht ausgebildet, sondern nur in besonders vielen Punkten anders als der der anderen. Ich habe die leise Hoffnung, die meisten tun nur so, als ob sie alles w\u00fcssten. Vielleicht gibt es in Wahrheit deshalb so wenig Haselnuss-Joghurt, weil alle Anderen den Rest weggekauft haben. Aber sicher bin ich mir da nicht.<\/p>\n<p>Deshalb, wenn ihr mit mir in ein Restaurant geht, das f\u00fcnf Sterne hat, dann nehmt die Weinkarte in beide H\u00e4nde und sucht euch selbst was aus.<\/p>\n<p>Guten Appetit w\u00fcnscht Leovinus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Boomtown 05\/2001 Vom 29. Januar 2001 Die Wahrheit \u00fcber Bart-Simpson-Socken Jedes Mal, wenn ich im Restaurant vor der Weinkarte sitze, f\u00fchle ich mich wie ein Geh\u00f6rloser, der sich zwischen dem dritten und dem f\u00fcnften Beethovenschen Streichquartett entscheiden soll. 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