{"id":228,"date":"2000-03-26T22:26:26","date_gmt":"2000-03-26T20:26:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/?p=228"},"modified":"2013-06-21T14:38:39","modified_gmt":"2013-06-21T12:38:39","slug":"zahlen-bitte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/?p=228","title":{"rendered":"Zahlen bitte!"},"content":{"rendered":"<p><!--more-->Boomtown 07\/2000<\/p>\n<p>Vom 26. M\u00e4rz 2000<\/p>\n<p>Ende der Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts ver\u00f6ffentlichten die \u201eBoomtown Rats\u201c den Titel \u201eI don\u2019t like Mondays\u201c. Er handelt von einer Sch\u00fclerin in San Diego, die am 29.1.1979 ihre Klassenkameraden erschoss und dies einzig mit jenem Satz begr\u00fcndete. Um anderen Menschen ein \u00e4hnliches Schicksal zu ersparen, erscheint diese Kolumne jeden zweiten Montag in der Hoffnung auf zahlreiche Leser.<\/p>\n<p>Zahlen, bitte!<\/p>\n<p>Bereits in Ausgabe 05\/99 vom 22.11.99 habe ich mir Gedanken \u00fcber den magischen Einfluss von Zahlen auf unser Leben gemacht. Viel zu kurz kam darin allerdings ihre emotionale Wirkung: Eine kurze Umfrage in meiner n\u00e4heren Umgebung ergab, dass es ausgesprochen unsympathische Zahlen gibt. Jene Antipathie ist weitgehend unabh\u00e4ngig von sonstigen Assoziationen, die wir mit diesen Werten verbinden k\u00f6nnten, wie der Geburtstag der n\u00e4selnden Stieftante.<\/p>\n<p>Denken wir zum Beispiel an die 17. Wer kann schon die 17 leiden? Zum Einen l\u00e4sst sie sich nicht vern\u00fcnftig teilen, zum Zweiten hat man nichts, wovon 17 St\u00fcck eine vern\u00fcnftige Menge darstellen k\u00f6nnte und zum Dritten sieht sie komisch aus, so eckig, gar nichts weiches, W\u00e4rme verhei\u00dfendes daran. Also 17 f\u00e4llt schon als Sympathietr\u00e4ger total aus.<\/p>\n<p>Oder, als weiteres Beispiel, die 54. Die hat allein deshalb verloren, weil sie so \u00e4hnlich ist wie 56 und man nie wei\u00df, was 7 x 8 ist. Eine Freundin verriet mir, dass ihr Primzahlen nicht geheuer seien, und zwar je h\u00f6her desto unheimlicher. Wie kann eine so relativ hohe Zahl wie 97 sich durch nichts aber auch gar nichts teilen lassen als durch sich selbst und 1? Jemand, der so eigenbr\u00f6tlerisch ist, da muss doch was faul sein.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass man die meisten Zahlen gar nicht kennt, weil sie einem nie begegnen: Oder wem ist schon einmal eine 8.566.874.121 \u00fcber den Weg gelaufen? Eben, v\u00f6llig sinnlos, genau wie ihr Vorg\u00e4nger, die 8.566.874.120, und der Nachfolger, 8.566.874.122. Die kommen auch nicht vor, wenn man sie mal braucht, beispielsweise auf dem Kontoauszug. Und wenn, dann nur als Kontonummer oder Buchungsart. Ich will nicht rassistisch sein, aber wenn sich etwas derma\u00dfen rar macht, dann hat es in unserer Gemeinschaft nichts verloren und sollte unsere sch\u00f6ne Mathematik nicht unn\u00f6tig belasten.<\/p>\n<p>Dadurch gew\u00e4nnen wir mehr Platz f\u00fcr die wirklich angenehmen Zahlen, wie 25. Die hat Spannung, l\u00e4sst sich sauber durch 5 teilen, hat genau die richtigen Proportionen, mit 2 multipliziert wird eine ordentliche 50 daraus und selbst im Quadrat macht sie als 625 noch eine gute Figur.<\/p>\n<p>Man sollte einfach die h\u00e4sslichen Zahlen streichen und durch solche angenehmen Zeitgenossen, wie es auch die 63 (ein Musterexemplar!) oder 45 sind, ersetzen.<\/p>\n<p>Ein Schritt in die v\u00f6llig falsche Richtung ist daher die Einf\u00fchrung der Sommerzeit. In jedem Fr\u00fchjahr werden die \u00fcberaus wertvollen Minuten Nummer 121 bis 180 in eine dunkle Kammer aus Zeiteisen gesperrt, sodass wir sofort zu den unsympathischen 181 ff. gelangen. W\u00e4hrend alle Welt gr\u00fcnt und bl\u00fcht, sich verliebt, heiratet, Kinder bekommt, in den Urlaub f\u00e4hrt, in Caf\u00e9s sitzt und es sich wohl sein l\u00e4sst, harren die arme 142, 156 und 175 bei Wasser und Brot aus und zerfallen dabei qualvoll in ihre Sekundenbruchteile. Nur einem faulen Kompromiss ist es zu verdanken, dass man, wenn die Temperaturen wieder unter 20 Grad sinken, notgedrungen ihr Verlie\u00df \u00f6ffnet und ihnen wenigstens zur Weihnachtszeit zitternd freien Auslauf gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Doch auch ihnen w\u00fcnscht eine sch\u00f6ne Woche: Leovinus.<\/p>\n<p>(2000)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[9],"tags":[128,130,129,127],"class_list":["post-228","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolumnen","tag-mathematik","tag-sommerzeit","tag-sympathie","tag-zahlen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/228","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=228"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/228\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":327,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/228\/revisions\/327"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=228"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=228"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.leovinus.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}