Wolfgang Petri (Auszug)

einkaufswagenAls die Nachrichten den bevorstehenden Weltuntergang meldeten, begab sich Maria Schulz in den nächsten Supermarkt und packte 25 Flaschen Haarshampoo ein. Sie tat dies, weil es alle ihre Nachbarinnen auch taten. Jede von ihnen stellte die Gefäße ordentlich nebeneinander in den Einkaufswagen und ging damit zur Kasse.

Alle Männer gingen in den Baumarkt und kauften eine Harke.

Maria Schulz musste nicht lange in der Schlange warten. Alle Kassen hatten geöffnet und die Angestellten kassierten freundlich und routiniert eine Kundin nach der anderen ab. Als sie selbst an der Reihe war, schaute die Kassiererin, deren Namensschild mit „Wolfgang Petri“ beschriftet war, sie an und sagte: „Sie nicht.“

„Ich nicht?“, fragte Maria Schulz etwas ärgerlich.

„Nein“, antwortete Wolfgang Petri. „Sie nicht.“

Maria schaute sich um und sah, wie an allen anderen Kassen alle anderen Frauen abkassiert wurden, bezahlten, einen schönen Abend gewünscht bekamen, ihre Waren einpackten, den Wagen zurückschoben, den Chip aus dem Schloss nahmen, sich die Jacke zuknöpften und den Laden verließen.

„Warum ich nicht?“, fragte sie.

„Weil wir keine 25 Flaschen Haarshampoo verkaufen dürfen“, erklärte die Kassiererin.

Maria schaute sich noch einmal die Szenerie um sie herum an. Hinter ihr in der Schlange wuchs die Ungeduld.

„Aber alle kaufen hier 25 Flaschen Haarshampoo!“ protestierte sie.

Wolfgang Petri schüttelte den Kopf. „Niemand tut das. Es ist nicht gestattet. Bitte räumen sie die Ware zurück in das Regal.“

(2010)

Den kompletten Text kann man in meinem Buch „Am Donnerstag hat Gott Geburtstag“ lesen.

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